Shinrin-Yoku nennen die Japanerinnen und Japaner das bewusste Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes. Dabei gehen sie langsam durch den Wald und nehmen ihn mit allen Sinnen wahr.
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Waldbaderinnen und Waldbader schlendern langsamer als jede Spaziergängerin durch den Wald. Sie sitzen auf einen Baumstamm oder auf den Boden und öffnen sich seiner atmosphärischen Wirkung. Sie heben Blätter auf und lassen diese langsam durch die Finger gleiten. Achtsam fragen sie: Wie fühlen sich die Blätter heute an? Sind sie feucht oder trocken und wonach riechen sie, welcher Baum hat sie hergegeben im letzten Herbst?
Gerüche, Geräusche, Farben und Strukturen im Wald intensivieren sich durch die bewusste Wahrnehmung. Es ist ganz leicht: Man richtet seine ganz Aufmerksamkeit absichtslos auf die Umgebung und geht darin auf. Man hört, riecht und schmeckt planlos, einfach wahrnehmend.
Die Absicht loslassen, ist Übungssache. Dazu gehört auch, Überlegungen oder gar Ansprüche an Leistungen geistiger oder sportlicher Art einzustellen. Man kann meditieren, muss aber nicht. Man kann einem Bachlauf folgen, muss aber nicht. Man kann einen Baum berühren, muss aber nicht. Apropos Baum:
Bäume umarmen
Das Ertasten seiner Rinde, ihn zu riechen und seine Präsenz zu spüren, lassen erkennen, wie jeder Baum ein Lebewesen und zugleich Wohnstätte für zahllose andere Lebewesen ist. Das hat was.
Beim Waldbaden öffnen wir uns für frische Eindrücke. Wir weiten den Blick für alles, was da kreucht und fleucht, klettert und fliegt. Wer die Perspektive verändert, erweitert seinen Horizont. Das ist wie beim Texten.
Statt auf den Boden zu gucken und nach Hindernissen Ausschau zu halten, können wir die Wald-Welt liegend und sitzend wahrnehmen – auf dem Bauch und auf dem Rücken liegend. Dabei verdichtet sich die Zeit, bis sie sich aufzulösen scheint.
Die Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt lenken
Den Wald als Ganzes wahrnehmen – mehr ist Waldbaden nicht. Darin liegt unermesslicher Reichtum. Und weil wir den Wald jederzeit mit allen Sinnen wahrnehmen können, gelingt Waldbaden immer.
Die Erfahrung lässt sich durch regelmässige Exkursionen in den Wald vertiefen. Ebenso wie der Zugang zu dieser ruhigen Tiefe durch Üben vereinfacht wird. Der so erreichte Zustand ist eine wohltuende, ruhige Zentrierung.
Wie Waldbaden die Kreativität stärkt
In der Zentrierung kommt die innere Kritikerin in Einklang mit der schöpferischen Energie. Eine neue, frische Kraft entfaltet sich. Und diese hat Wirkung! Sie beflügelt den Texter bis die Texte sinn stiften und sprachlich sitzen. Solchermassen frische Texte sind eine Wohltat.